Vorsicht Toxoplasmose

zuerst erschienen in „Die Pirsch“ 3/2003, Abdruck mit freundl. Genehmigung "Die Pirsch"

Auf den ersten Blick sah es so aus, als hätte der Weimaraner nur eine harmlose Augenentzündung. Die Diagnose des Tierarztes lautete dann Toxoplasmose. Thomas Fuchs schildert die Symptome und die Behandlung dieser gefährlichen Krankheit.

Mein Schrecken war groß, als unser Hund mich morgens nach dem Aufstehen freudig wedelnd begrüßte. Das linke Auge des Weimaraner-Rüden war nicht mehr bernsteinfarben, sondern dunkelrot. In der sonst hellen Iris waren fünf blutige Flecke zu sehen. Am Abend zuvor hatte der Hund noch keinerlei Anzeichen einer Erkrankung gezeigt, darum dachte ich im ersten Moment an eine Stoßverletzung. Aber da auch im rechten Auge ein roter Punkt in der Größe eines Stecknadelkopfes zu sehen war, schien klar, dass es sich nicht um eine Verletzung handeln konnte.

In der Tierklinik

Der Augenarzt der örtlichen Universitäts-Tierklinik stellte fest, dass der Augendruck mit einem Wert von links 8 und rechts 9 mmHg deutlich geringer war als es üblich ist. Er diagnostizierte für beide Augen eine Bindehautentzündung. Das von Einblutungen stärker betroffene linke Auge sollte für eine Woche mit Atropin-POS® 1% behandelt werden. Das Atropinsulfat-Monohydrat wird in den Bindehautsack eingebracht und weitet die Pupille. Dadurch wird ein entzündungsbedingtes Verkleben des Pupillarrandes mit der Linsenvorderfläche und der Aufwölbung der Iris verhindert.

Da es sich offensichtlich nicht um eine Verletzung handelte, wurde der Hund an die Tierarztkollegen der Inneren Medizin überwiesen. Diese stellten fest, dass die Lymphknoten angeschwollen waren. Der Hund zeigte aber keinerlei Anzeichen einer weiteren Erkrankung. Alle Reflexe waren normal. Zur Sicherheit wurde daher eine umfangreiche Blutuntersuchung angeordnet. Eine altbekannte Krankheit. Nach zwei Tagen bekam ich telefonisch die Mitteilung über das Ergebnis. Es stand fest, dass es sich um eine akute Toxoplasmose-Infektion handelte. Toxoplasmose ist eine durch einzellige Parasiten, sogenannte Protozoen, verursachte Infektion, die zu Rückenmarklähmungen, Muskelkrämpfen und epileptiformen Anfällen führen kann. Meist befinden sich die Erreger in gut durchbluteter Muskulatur oder im Gehirn und die von Toxoplasmen befallenen Zellen werden zerstört.

Bei der eher selten vorkommenden Augenform der Toxoplasmose sind vor allem die vorderen Bereiche der Augen betroffen. Entzündungen von Horn- und Bindehaut sind die Folge. Außerdem kann es zu Blutungen in Iris und Netzhaut kommen. Es besteht die Gefahr der Linsentrübung und Erblindung.

Die Toxoplasmen kommen überall auf der Welt vor. Hauptwirte sind Katzen, bei denen sich die Erreger vor allem im Dünndarm entwickeln. Mit dem Kot der Hauskatzen werden sogenannte Oozysten, quasi die Eier, ausgeschieden, die nach drei bis vier Tagen infektiös werden. Landwirtschaftliche Nutztiere können als Zwischenwirte fungieren. Bei ihnen kommt es zur Bildung erregerhaltiger Zysten in Muskulatur und Organen. Je nach Schwere und Art der Infektion sind eitriger Nasenausfluss und Husten möglich. Gelegentlich sterben Tiere spontan.

Früher waren schätzungsweise mehr als zwei Drittel der Hunde in Deutschland mit Toxoplasmose latent infiziert. Noch bis 1960 ging man von einer latenten Erkrankung bei 88 Prozent der Hunde in Deutschland aus. In den letzten vierzig Jahren hat aber die Durchseuchung kontinuierlich abgenommen. Mitte der achtziger Jahre schätzte man noch etwa 28 Prozent der Hunde in Deutschland als serologisch positiv ein.

Ansteckungswege

Ein Hund kann sich über Toxoplasmenzysten-haltiges Fleisch oder durch die Eier der Toxoplasmen anstecken. Diese Eier können in der Umwelt monatelang überleben. Die Inkubationszeit beträgt zirka zwei bis vier Wochen.
Wer Fleisch von Schwein, Schaf oder Ziege an seinen Hund verfüttert, sollte zuvor durch Tiefgefrieren bei Minus 18 Grad oder Erhitzen über 66 Grad die Erreger abtöten. Dies gilt besonders für die Fütterung tragender Hündinnen, denn Welpen können schon im Mutterleib oder nach der Geburt durch Milch infiziert werden. In diesem Zusammenhang sollte noch angemerkt sein, dass besonders wegen der Gefährdung durch die Aujeszkysche Krankheit generell kein rohes Schweinefleisch an Hunde und Katzen verfüttert werden sollte.

Gefahr für den Menschen

Grundsätzlich besteht auch für den Menschen die Gefahr einer Infektion. Mögliche Symptome sind Lymphknotenschwellungen, Fieber, Kopfschmerzen, Hirnhautentzündung und Gelenkbeschwerden. Bei Schwangeren kann der Erreger zu Früh- und Totgeburten führen. Üblicherweise geht eine solche Infektion aber nicht vom Hund auf den Menschen über, denn ein infizierter Hund scheidet keine Oozysten aus und ist daher für den Menschen nicht gefährlich. Die Gefahr geht eher von Katzenkot aus. Der Mensch sollte daher den Kontakt mit Katzenkot unbedingt vermeiden. Wenn die Katze mit im Haus ist, sollte Katzenstreu jeweils im Abstand von 48 Stunden gewechselt werden.

Anzeichen und Nachweis

War mein Hund nicht in letzter Zeit erstaunlich matt? Ich hatte als Ursache die Sommerhitze mit Temperaturen von teilweise über 35 Grad Celsius angenommen. Aber Mattheit kann ein erstes Anzeichen für eine Infektion sein. Wenn dazu noch die Lymphknoten anschwellen und sich blutige Punkte in den Augen zeigen, ist Eile geboten. Ich erinnerte mich, dass nach der Teilnahme an einer Verbandsjugendprüfung mehrere Hundeführer über eine Zwingerhusten-Infektion bei ihren Hunden klagten. Ich nahm als Beobachter an der Prüfung teil und auch mein Hund war etwas angeschlagen. Häufig bricht die Krankheit erst dann offen aus, wenn Hunde bereits latent infiziert sind und ihr Immunsystem durch andere Erkrankungen geschwächt ist. Oft wird eine Erkrankung aber auch nicht auf Anhieb als Toxoplasmose erkannt, weil der Gedanke an Toxoplasmose bei einem fast symptomlosen Hund nicht gleich naheliegend ist.

Eindeutig nachgewiesen werden können die Toxoplasmose-Erreger nämlich nur durch das Mikroskopieren von hauchdünnen Gewebeschnitten aus den inneren Organen. Eine Diagnose am lebenden Tier ist dagegen nur möglich über eine Blutuntersuchung. Hierbei wird der Antikörpertiter gegen Toxoplasmen bestimmt. Über diesen lässt sich die Konzentration der Antikörper messen und somit die Stärke der Immunreaktion nachweisen. Als ausreichend verdächtig gilt ein Titeranstieg um vier Stufen im Abstand von etwa einer Woche.

Die richtige Behandlung

Wenn die Krankheit schnell erkannt und der Hund sofort richtig behandelt wird, ist die Prognose verhältnismäßig günstig – außer bei schweren Fällen. Gute Ergebnisse lassen sich mit Trimethoprim- und Sulfonamidkombinationen (Borgal®, Rota-TS®) erzielen. Aber Vorsicht: Bei zu hohen Dosierungen kann es zu Magenschleimhautreizungen kommen!

Nach der eindeutigen Diagnose wurde die Schleimhautentzündung der Augen mit dem Antibiotikum Gentamytrex® behandelt. Heute sind die blutigen Punkte das Einzige, das an die Infektion erinnert. Im Laufe der Zeit werden diese Punkte resorbiert. Über heparinhaltige Augentropfen könnte man versuchen, die Blutungen in den Augen schneller zurückzubilden.

Eins ist aber nach einer überstandenen Toxoplasmose-Infektion immer zu bedenken: Die Medikamente stoppen zwar die Vermehrung der Toxoplasmen, aber sie töten sie nicht ab. Wenn der Hund in Zukunft durch eine andere Erkrankung geschwächt wird, kann auch die Toxoplasmose jederzeit wieder ausbrechen.

Thomas Fuchs

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