Stahlschrot zur Entenjagd

Nach der Novellierung des niedersächsischen Jagdgesetzes (NJagdG) ist es nun verboten, Bleischrot bei der Jagd auf Wasserfederwild zu verwenden. Wörtlich steht in §24 Abs 1 des NJagdG: "Es ist über §19 des Bundesjagdgesetzes hinaus verboten .... die Jagd auf Wasserfederwild an und über Gewässern unter Verwendung von Bleischrot auszuüben."

Dieser Verbot ist sinnvoll, da schon wenige Bleischrote, die z.B. gründelnde Enten über die Nahrung aufnehmen, für eine Bleivergiftung ausreichen, die zum Tod des Vogels führt, der aber nicht sofort eintritt. Diese Vergiftung kann sogar weiträumige Folgen haben, wie Untersuchungen in anderen Ländern, v.a. in den USA, gezeigt haben. Hier hat man entdeckt, daß die nächsten Glieder in der Nahrungskette, wie z.B. Greifvögel oder Aasverwerter, stark in Mitleidenschaft gezogen werden – erhöhte Sterblichkeit und verminderter Bruterfolg sind die Folgen – wenn sie Tiere mit Bleivergiftung fressen.

Der Jäger steht nun vor dem Problem, einen Ersatz für Bleischrot zu finden. Zum Glück haben die Jäger in England, Skandinavien und den USA sich seit Jahren mit diesem Problem beschäftigen müssen. Die einheimischen Jäger stellten nach anfänglichem Murren fest, daß Weicheisenschrot – der sog. Stahlschrot – ein vollwertiger Ersatz für Bleischrot sein kann, und in manchen Fällen dem Bleischrot überlegen ist. Man muß dabei nur ein paar einfache Faustregeln beachten und sich von überholten Mythen befreien.

Mythos Nummer 1: "Stahlschrot hat eine geringere effektive Schußentfernung und weniger Durchschlagskraft"

Stahlschrote wiegen weniger als Bleischrote mit gleichem Durchmesser und haben deshalb bei gleicher Fluggeschwindigkeit weniger Energie. Die langjährigen Erfahrungen in anderen Ländern haben eine Faustregel hervorgebracht, um diesem Umstand Rechnung zu tragen: man wählt für Stahlschrot eine Korngröße, die zwei Nummern größer ist als man sonst bei Bleischrot verwenden würde (die "2er Regel"); verwendet man Stärke 6 in Blei für Enten, wird man nun die Stärke 4 in Stahl verwenden.

Die Energie des 6er Bleischrotes und die des 4er Stahlschrotes ist identisch und damit auch die Tragweite und die Durchschlagkraft. Erst bei Entfernungen, die bei der Jagd keine Rolle mehr spielen (ab ca. 70 Meter), nimmt die Energie des Stahlschrotes rascher ab als die des Bleischrotes.

Die Anzahl Schrotkörner in der Stahlschrotpatrone unter Anwendung der "2er Regel" ist bei gleicher Ladung geringfügig niedriger als in der Bleischrotpatrone, wie die nachstehende Tabelle

Beispielsweise enthält eine Patrone mit 34 Gramm Ladung 250 Bleischrote in Größe 6 oder
212 Stahlschrote in Größe 4. Bei der Wahl der maximalen Stahlschrotgröße muß man sich nach den Angaben des Waffenherstellers richten.
Bei Einhaltung dieser "2er Regel" wird nicht nur die Anzahl der Schrote ähnlich sein, sondern auch die Energie des einzelnen Schrotes wird nahezu identisch sein, wie die folgende Tabelle zeigt.

Stahlschrote sind härter als Bleischrote und werden im Lauf weniger deformiert. Es gibt keine deformierten Randschrote, die die Schrotgarbe auseinanderziehen. Mehr Schrote erreichen ihr Ziel, da die Schrotgarbe kompakter ist und eine bessere Deckung ausweist. Dieser Vorteil nimmt auch mit steigender Schußentfernung zu. Die nächste Tabelle zeigt, daß selbst bei gröberem Schrot und geringerer Ladung in der Stahlschrotpatrone, die Deckung bei 35 Meter sich kaum von der Bleischrotpatrone unterscheidet und bei größerer Entfernung sogar besser ist. Bei gleicher Ladung wird der Vorteil des Stahlschrots sofort sichtbar. Röntgenuntersuchungen an 16.000 Enten und Gänsen und mehr als 300 Fasanen zeigten eine 5 – 10% tiefere Penetration der Stahlschrote im Vergleich zu Bleischroten.

Die harten Stahlschrote penetrieren bei gleicher Energie auch besser als Bleischrote.
Man muß seine Schießgewohnheiten auf die Besonderheiten des Stahlschrotes umstellen. Wegen der kompakteren Garbe kann man mit einem offeneren Choke schießen.

Welche Munition nimmt man nun?

Bei unseren Stockenten wird man bis zu einer Entfernung von 40 Meter eine Patrone mit 30 bis 34 Gramm Stahlschrot, Größe 4 oder 5 aus einem Lauf mit improved Zylinder oder ¼ Choke verschießen.
Mythos Nummer 2: "Mehr Vögel werden wundgeschossen."
Das Risiko, Flugwild nur zu verwunden, ist ein wichtiges Problem. Es hat sich gezeigt, daß der Einsatz von Stahlschroten dieses Problem deutlich reduzieren kann. Stahlschrote bilden eine deutlich kompaktere Garbe mit überlegener Deckung. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Vogel durch einzelne Randschrote getroffen wird, wird dadurch vermindert.
Aufgrund ihrer Härte durchdringen Stahlschrote das Gefieder besser als Bleischrote bei gleicher Energie. Weiche und vielleicht deformierte Bleischrote haben eine geringere Penetration.

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