Manche Hunde sind im grauen Winterwald schwer zu erkennen
Mit nur wenig Werkzeug kommt man zum Ziel. Es empfehlen sich noch eine Schere und Silikon
Ein batteriebetriebenes Fahrradrücklicht bringt mehr Sicherheit für den Vierbeiner
Die Fahrradhalterung (links) wird abgenommen und die Führungsschiene abgesägt
Die Breite der Warnhalsung gibt die Bohrungen vor
Zwei aufeinandergeklebte Unterlegscheiben verhindern das unbeabsichtigte Betätigen des Schalters. Eine dazwischen gelegte Folie schützt vor Wasser.

Mehr Sicherheit für Jagdhunde – preisgünstig selbst gemacht

Erschienen in „Die Pirsch“, Heft 18/2003 - Abdruck mit freundlicher Genehmigung der „Pirsch“

Da geht einem ein Licht auf ...

Mehr Sicherheit für Jagdhunde – preisgünstig selbst gemacht
Die Jagd ist lange angeblasen, leichte Nebelschwaden hängen zwischen den entlaubten Bäumen und es nieselt ganz fein. Alle „noch braunen“ Sauen sind frei. Da knackt es im Unterholz, ein Rauschen auf dem leicht gefrorenen Waldboden. Ah, es scheint, als wechsele ein Stück genau auf den Schützen zu. Der macht sich bereit, nimmt die Waffe hoch, sieht über den Lauf und ... ein Hund!

Angst um den Hund

„Achte des Waidmanns heilig´ Gebot – was Du nicht kennst, das schieße nicht tot!“ Jeder Hundeführer kennt bei Gesellschaftsjagden dieses flaue Gefühl im Bauch, wenn beim gemeinsamen Frühstück der Tod eines Jagdhundes in einem unweit gelegenen Revier das Gesprächsthema war oder eine entsprechende Meldung in einer Jagdzeitschrift gestanden hat. Die Vorstellung ist schlimm genug, dass der in monatelanger Arbeit zu einem leistungsfähigen Jagdhelfer ausgebildete Gefährte durch den leichtfertigen Schuss eines voreiligen Schützen ums Leben kommt. Mit Recht – denn in jedem Jahr werden Jagdhunde während ihres Einsatzes durch Schüsse verletzt oder getötet. Schlimm genug, dass gelegentlich von solchen Nimroden selbst auf durch Warnhalsungen kenntlich gemachte Hunde geschossen wird.

Aktive Sicherheit

Meine Überlegung war, diese Gefahren für den Hund zu minimieren, indem ich ihn noch leichter erkennbar mache, als es eine Warnhalsung allein zu leisten imstande ist. Ich habe daher die Idee des beleuchteten Hundes aufgegriffen und in verschiedenen Versuchen die für mich 7geeignete Variante herausgefunden.

Handelsübliche Leuchthalsbänder

In Fachgeschäften und Zoohandlungen erhältliche Leuchthalsungen sind vielfach für die Jagd nicht geeignet. Häufig ist die Lichtleistung zu gering oder die Systeme sind nicht für die bei der Jagd übliche raue Behandlung ausgelegt. Häufig sind die Systeme mit einem Schnallenverschluss verschlossen, so dass sich der Hund bei einem Hängenbleiben nicht selbst aus dem Halsband befreien kann. Außerdem sind Leuchthalsungen im Vergleich sehr teuer und die nötigen Knopfzellen-Batterien nicht überall erhältlich.

Die Idee

Meine Überlegungen gingen dahin, diese Unzulänglichkeiten zu beseitigen. Nach mehreren Versuchen und Herumprobieren mit verschiedenen Lampen hat sich die nachfolgend beschriebene Variante als preiswert, dauerhaft und äußerst effektiv herausgestellt. Für mich ist ein batteriebetriebenes Fahrradrücklicht die Lampe meiner Wahl (Abb. 2). Die beschriebene Lampe ist preiswert, robust, strahlt in alle Richtungen und ist noch in einer Entfernung von 200 Metern gut zu erkennen. Die zwei benötigten Mignon-Batterien können in jedem Supermarkt und jeder Tankstelle preisgünstig gekauft werden und passen in jede Tasche. Nach dem nachfolgend beschriebenen Umbau für jagdliche Zwecke kann die Lampe in Sekundenschnelle an jeder Hundehalsung befestigt und ebenso schnell wieder abgenommen werden.

Benötigtes Material

Um das Fahrradrücklicht entsprechend zu modifizieren, werden folgende Dinge benötigt (Abb. 3):

4 Senkschrauben M3x20 mm mit Muttern
4 Unterlegscheiben 3,2 mm oder 3,5 mm
2 Unterlegscheiben 8, 4 mm
ein Stück Leder (oder ein alter Handschuh)
Schere, Eisensäge, Flachzange
Bohrmaschine und Bohrer (zirka 2,5 mm)
Kunstharz-Kunststoff mit kleinem Pinsel oder eine Heißklebepistole
(alternativ Silikon-Fugendicht oder Sekundenkleber)

Sägen und Bohren

Die Halterung für die Fahrradmontage wird abgenommen und die Lampe im Schraubstock eingespannt. Mit einer Eisensäge sägt man die Schiene für die Halterung ab (Abb. 4). Gegebenenfalls wird mit einer Feile etwas nachgearbeitet und entgratet. Dann die Warnhalsung an die Rückseite der Lampe halten, um anhand der Breite die Position für die Bohrungen zu bestimmen (Abb. 5). Mit einem passenden Bohrer werden vorsichtig und mit nicht zu hoher Drehzahl vier Löcher in das Kunststoffgehäuse gebohrt. Der Schalter der Lampe steht leichtgängig und ungeschützt aus der Rückwand heraus. Die 8,4 mm großen Unterlegscheiben verhindern das unbeabsichtigte Ausschalten der Lampe durch die Bewegungen des Hundes (Abb. 6). Mit dem Bohrer kann die Gehäuseoberfläche rund um den Schalter leicht angeraut werden – das verstärkt die Retentionswirkung des Klebers oder Silikons auf dem glatten Gehäusekunststoff.

Abdichten des Schalters

Aus einem alten Gummishandschuh oder Anti-Aids-Handschuh aus dem Autoverbandskasten ein rundes Stück in der Größe der Unterlegscheibe ausschneiden. Nach dem Befestigen der ersten Unterlegscheibe auf dem Gehäuse dieses Gummistück auf die Scheibe auflegen und die zweite Scheibe darüber fixieren. Das sollte bei ausgeschaltetem Schalter geschehen, da dieser im ausgeschalteten Zustand weiter heraussteht als nach dem Einschalten. Anschließend beide Scheiben dicht mit Silikon umschließen, dann kann später kein Wasser zur Schalteröffnung eindringen. Nun den roten Gehäusedeckel abnehmen und von innen die Schrauben durch die Bohrlöcher nach außen stecken. Aus dem alten Lederhandschuh einen oder zwei Streifen passender Größe ausschneiden. Die Löcher zum Aufstecken auf die Schrauben mit dem Messer über Kreuz ins Leder schneiden (wie beim Rosenkohl) oder mit der Bohrmaschine auf einem Holz-Bohrblock einfach durchbohren.

Zwischentipp

Die Lampe ist trotz Gummidichtung nicht hundertprozentig wasserdicht. Aber sie funktioniert auch, wenn das Gehäuse komplett mit Wasser gefüllt ist. Damit kein Wasser durch die Bohrungen eindringen kann, kann man mit Silikon oder Klebstoff die Bohrlöcher abdichten. Anschließend das Leder mit Unterlegscheiben und Muttern fixieren (Abb. 7). Die Schauben können mit der Eisensäge auf die gewünschte Länge gekürzt und mit einer Feile entgratet werden - sollten dann aber mit Klebstoff, Kunststoff oder Silikon gegen unbeabsichtigtes Lösen fixiert werden. Dann die Warnhalsung einfach durch die entstandene Öse ziehen (Abb. 8) – fertig!

Hund mit Beleuchtung

Meinen Hund hat die Beleuchtung von Anfang an nicht gestört. Es soll aber Hunde geben, die „Schattenspiele“ lieben. Nach kurzer Eingewöhnung werden auch sie sich sicher an den Schein gewöhnen.

Mehr Sicherheit

Bei schlechten Sichtverhältnissen sieht man zuerst die Lampe und man wird automatisch aufmerksam, bevor man überhaupt erkennt, was da auf einen zukommt. Im dichtem Unterholz ist die Lampe schon sichtbar, bevor man den Hund hört. Immer wenn die Gefahr des Überjagens besteht, sorgt die Lampe für mehr Sicherheit - vor allem wenn es dunkel wird und Straßen in Reviernähe verlaufen. Bei Nacht ist er auf mehr als zweihundert Meter gut zu lokalisieren. Viele in der Stadt wohnende Jäger sind bei ihren „Gassi-Runden“ mit ihren Hunden in Parkanlagen unterwegs. Üblicherweise laufen die Hunde trotz Leinenzwang dann frei. Erfahrungsgemäß fahren in solchen Anlagen aber auch immer viele unbeleuchtete Fahrradfahrer. Eine Warnhalsung mit Reflektorstreifen nutzt da gar nichts, wenn kein Scheinwerferstrahl darauf trifft. Durch die Lampe werden Radfahrer schon von weitem vorgewarnt, so dass sich hoffentlich nie die Rechtsfrage nach einem Zusammenstoß eines unbeleuchteten Radfahrers mit einem beleuchteten - aber unangeleinten - Hund stellt. Möglicherweise schmunzeln viele Jäger auf den ersten Blick und tun die Idee als übertriebenes Getue ab. Jedenfalls habe ich schon etliche Nachfragen gehabt und seitdem mein Hund in bestimmten wiederkehrenden Situationen beleuchtet ist, ist er einfach gesicherter. Bei Bewegungsjagden sollte ein Schuss auf einen durch Warnhalsung und Lampe gesicherten Jagdhund nahezu ausgeschlossen werden können. Verwechselt werden kann der Hund normalerweise nicht - denn Sauen mit Beleuchtung habe ich noch nicht gesehen.

Impressum  -  Suche  -   Kontakt