Keine Chance dem Hitzetod

zuerst erschienen in „Die Pirsch“, Heft 11/2003
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der „Pirsch“

Frischluft für den Hund

Auch wenn es oft nur für kurze Zeit ist - immer wieder gibt es Situationen, in denen der Jäger seinen Hund allein im Auto lässt. Bei normalen Sommertemperaturen kann ein Hitzestau im Wagen für den wartenden Hund schnell sehr gefährlich werden. Thomas Fuchs beschreibt eine simple Erfindung, die den Hitzestau verhindern kann.

In jedem Sommer kann man es wieder sehen: Vierbeiner, die in praller Sommerhitze auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt auf Herrchen oder Frauchen warten. Viele Tierfreunde scheinen sich dabei keine Gedanken darüber zu machen, dass sich selbst bei moderaten Außentemperaturen in einem geschlossenen Wagen innerhalb weniger Minuten ein Hitzestau entwickelt, der für den Vierbeiner sehr gefährlich werden kann.

Jeder Hundeführer weiß, dass es auch im Jagdrevier oder bei Hundeprüfungen gelegentlich Situationen gibt, in denen er seinen Hund eher einmal im Auto lassen möchte. Hans-Jürgen Hantschel ist Jäger und Hundeführer und kennt das Problem vieler Rüdemänner: "In meinem Kombi habe ich ein Gitter, das den Kofferraum von der Fahrgastzelle trennt. Selbst wenn die Seitenfenster offen stehen, kann mein Hund nicht an die Fenster gelangen und sich Frischluft holen." Und er ergänzt: "Außerdem könnte jederzeit jemand ins Auto greifen; denn der Hund sitzt ja sicher verwahrt hinter dem Gitter." Es gibt zwar konfektionierte Gitterboxen, die den Hund sicher verstauen, während man die Kofferraumklappe offen lassen kann, aber die kommen für Hantschel nicht in Frage. "Nicht jeder Jäger kann ständig mit einer solchen Box im Kofferraum herum fahren", meint er.

Qualvoller Tod

Üblicherweise haben Hunde je nach Körpergröße eine Körpertemperatur von 37,8 °C bis 39,2 °C und regeln ihren Temperaturhaushalt über Hecheln, Schweißdrüsen an den Pfoten und indem sie sich auf kühlenden Untergrund legen und darauf ihre Haltung verändern. Ist die Umgebungstemperatur in einem Auto höher als die Körpertemperatur des Hundes - und schon bei moderaten sommerlichen Außentemperaturen von zirka 24 °C erreicht bei Sonneneinstrahlung die Innentemperatur in einem stehenden Fahrzeug innerhalb von nur zwanzig Minuten über 50 °C ! - nimmt der Hund in der heißen Umgebung mehr Wärme auf, als er abgeben kann. "Beim Hitzschlag zeigt der Hund starkes Hecheln, Erbrechen, Speicheln, taumeln, Durchfall oder Krämpfe." sagt Tierärztin Dr. B. Dürr von der Tierärztlichen Universität München. "Kommt der Besitzer nicht rechtzeitig zurück und versucht durch kühlende Umschläge oder vorsichtiges Bespritzen mit nicht zu kaltem Wasser die Körpertemperatur zu senken, kommt es bei Fortschreiten des Hitzschlages zu Schock, Koma und Tod des Patienten." Hat der Hund erst einmal eine Körperkerntemperatur von 43 °C oder mehr erreicht, gibt es kaum eine Rettung mehr für ihn. Das Körpereiweiß denaturiert und es kommt zum Versagen aller inneren Organe.

Nur ein Stück Stahl

Hans-Jürgen Hantschel ist ein Tüftler. "Ich wollte eine Vorrichtung schaffen, die meinem Hund frische Luft ermöglicht und trotzdem verhindert, dass jemand ins Auto gelangt", erinnert er sich. Es dauerte nicht lange, bis er eine Lösung gefunden hatte: Ein Stück Rundstahl! "Ich habe den Durchmesser des Bolzens der Kofferraumverriegelung gemessen und im Baumarkt ein fünfunddreißig Zentimeter langes Stück Stahl mit einem Durchmesser von acht Millimetern besorgt", erzählt Hantschel. Den Stahl hat er in einen Schraubstock geklemmt und einige Zentimeter vom Ende entfernt mit einem starken Hammer in einem 90°-Winkel seitlich umgebogen. Als Nächstes biegt man zwei bis drei Zentimeter von diesem Winkel entfernt den Stahl um 90° nach unten ab, dass der erste Winkel um 90° zur Seit steht. Schon hat man die Verriegelungsvorrichtung für die Heckklappe geschaffen. Am anderen Ende des Stahls biegt man nur noch eine Schlaufe und ist dann schon fast fertig. Mit einem Winkelschleifer oder einer Eisensäge und einer Feile kann man noch kürzen oder die Enden entgraten, wenn nötig. "Mit der Schlaufe umhake ich den Kofferraumbolzen. Dann senke ich die Kofferraumklappe und kann den Stahlhaken in das Schloss an der Klappe einhaken", beschreibt Hantschel den Schließvorgang. So bleibt beim Schließen der Kofferraumklappe ein Spalt von ungefähr zehn bis fünfzehn Zentimetern offen stehen, durch den der Hund den Fang nach außen stecken und sich kühlende Luft holen kann. "Wenn ich abschließe oder die Zentralverriegelung betätige, kann niemand die Klappe öffnen." Zum Durchsteigen ist der Spalt zu schmal. "Der Versicherungsschutz ist zwar ungeklärt", meint Hantschel, "aber das ist immer noch besser, als die Fenster offen zu lassen.“ Und: „Mein Hund bekommt immer frische Luft, während er wartet", freut er sich. Trotzdem gilt: Ein parkendes Auto mit Hund an Bord gehört nicht in die pralle Sonne!

Thomas Fuchs

Korrespondenzadresse:
Hans-Jürgen Hantschel
Europaallee 35
37079 Göttingen
Telefon (05 51) 3 06 75

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