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27.06.2014

Hegeringversammlung „Mackenröder Spitze“ mit Vortrag zum Göttinger Rebhuhn-Schutzprojekt: Bericht über 10 Jahre Erfahrungen


Die diesjährige Hegeringversammlung „Mackenröder Spitze“ wurde von Bläsern des Hegeringes im Schützenhaus feierlich eröffnet, bevor Hegeringleiter H. Krätzschmar den stellvertretenden Kreisjägermeister E.F.Wille und die Referenten Prof. Dr. Gottschalk sowie Herrn Beeke als Gäste begrüssen durfte. Nachdem H. Krätzschmar aus einem Bericht von Ole Anders zum Luchsvorkommen im Bereich Göttingen und der Ausbreitung des Luchses Richtung Weserbergland  berichtete, referierten Prof. Dr. Gottschalk und Herr Beeke von der Universität Göttingen/ biologische Schutzgemeinschaft über die Wirkung von Blühstreifen zum Schutz der Rebhühner im Landkreis Göttingen.

Ausschlaggebend war die besorgniserregende Halbierung des Rebhuhnbesatzes im Göttinger Umland innerhalb der letzten 7 Jahre. So leben im besatzstärksten östlichen Gebiet Göttingens gerade noch ca 400 Rebhuhnpaare.

Das Rebhuhnschutzprojekt hat es sich zur Aufgabe gemacht dieser Entwicklung entgegen zu wirken- „Blühstreifen“ heisst das Zauberwort! Hierbei werden diese Blühstreifen nicht einjährig bewirtschaftet, das heisst, eine Hälfte des Blühstreifen wird bewirtschaftet, die direkt anschliessende zweite Hälfte des Blühstreifens bleibt unberührt. Im nächsten Jahr wechselt dies, so dass stets ein Teil des Blühstreifens als Äsung und Deckung ganzjährig dem Wild zur Verfügung steht. Diese Vorgehensweise ist über die NAU- Richtlinie abgedeckt, so dass die beteiligten Landwirte keine Probleme bei dieser Bewirtschaftung bekommen. Im Jahr 2007 konnten daher ca 1000 Blühstreifen mit insgesamt 540 Hektar geschaffen werden.
Parallel wurden seitdem 139 Rebhühner telemetriert, um die Mortalitätsursachen zu erforschen. Hierbei zeigte sich, dass neben der Witterung (9% Mortalität bei wenigen Schneetagen, 39% bei vielen Schneetagen) hauptsächlich die Prädatoren (Säuger, Greifvögel) für die Reduktion der Rebhühner verantwortlich sind. Im Sommer ist die Mortalität besonders hoch- die Henne brütet auf dem Gelege und ist somit leichte Beute für Fuchs & Co. Auch der beste Blühstreifen zeigt also nur bei paralleler intensiver Prädatorenbejagung (Büchse, Flinte, Falle) seine Wirkung!

Wirtschaftliche Anreize für die Landwirte sind sehr wichtig: 4-7% der Ackerflächen mit Blühstreifen bepflanzt könnten 1000 zusätzliche Rebhuhnpaare schaffen- allein durch die Lebensraumaufwertung! Dies würde Kosten für Sämereien in Höhe von ca 1 Mio Euro verursachen- bei erstatteter Subventionierung im Gegenzug ergeben sich pro Rebhuhn ca 725 Euro. Man muss in diesem Zusammenhang aber auch die Mitnahmeeffekte für andere Lebewesen betrachten, so würden zusätzlich neben den Rebhühnern auch Vögel und zum Beispiel Schwebfliegen massiv von den Blühstreifen profitieren. Erfreulicherweise hat das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium zu diesem Thema Förderprogramme aufgelegt, so können die Blühstreifen mit bis zu 975 Euro pro Hektar gefördert werden- alle Jagdpächter seien hiermit aufgerufen ihre Landwirte darüber in Kenntnis zu setzen! Die Referenten beraten auch gerne über die optimale Zusammensetzung der Sämereien und deren Pflanzung.

Der letzte milde Winter und auch die im Landkreis Göttingen grassierende Fuchsräude/-staupe waren den Rebhühnern zuträglich- nichts aber ist wirkungsvoller als umfangreiche Blühstreifen bei zusätzlicher Reduktion der Prädatoren!

Das Göttinger Rebhuhnschutzprojekt spricht dabei für sich: während in ganz Niedersachsen die Rebhuhnbesätze aktuell sinken, konnten sie im Göttinger Bereich des Rebhuhnschutzprojektes stabil gehalten werden!

Im Anschluss daran wurde Prof Schmidt für das Revier Waake das Naturschutzabzeichen der Landesjägerschaft Göttingen überreicht.

Zum Abschluss dieser interessanten Hegeringversammlung wurde von den Bläsern zum Essen geblasen.


Andreas Gehrich


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