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10.06.2014

Anschuss-Seminar mit dem Wildmeister Hans Joachim Borngräber


Am 12.04.2014 um 9:00h fanden sich interessierte Hundeführer zu dem Anschuss-Seminar in Oedelsheim, in den dortigen Clubräumen des DLRG ein.

Nach einer kurzen Einleitung durch die Seminarleitung, ergriff Herr Borngräber das Wort und führte in  seiner Art vorzüglich durch das Seminar und nahm dabei kein Blatt vor den Mund.
Seine erste Frage: Wo beginnt die Schweißarbeit und wo ist der Anschuss? Konnte keiner zu seiner Zufriedenheit richtig beantworten. Die meisten Teilnehmer gingen davon aus, dass die Arbeit am Anschuss beginnt. Das ist aber nach seiner Theorie und Erfahrung falsch. Die Schweißfährte beginnt beim Ausschuss und dieser kann durch die unterschiedliche Schussabgabe bis zu 60 m vom Anschuss entfernt sein. Von dem Ausschuss lässt man den Hund den Anschuss suchen und von da an beginnt die eigentliche Schweißarbeit.
In der herkömmlichen Ausbildung der Schweißarbeit treten deshalb viele Fehler auf. Dort wird meistens der Schweißfleck als Anschuss bezeichnet, das ist aber der Ausschuss. Der Anschuss ist die Stelle, wo das Wild den individuellen Schalenabdruck hinterlassen hat, der  durch das Zusammenrucken des Wildes im Schuss produziert wird. Dazu kommt noch, dass meistens der Anschuss falsch markiert wird. Für den Hundeführer ist nicht entscheidend, was am Anschuss steckt, sondern das der Schütze ihm genau die Stelle sagen kann, wo das Stück gestanden hat, als es die Kugel bekam.
Nach der Mittagspause legte Herr Borngräber ca. 80 Pirschzeichen von verschiedenen Wildarten aus, welche durch die Seminarteilnehmer benannt werden sollten.
Danach wurde die am Vormittag unterrichtete Theorie: Wo ist der Anschuss und der Ausschuss und wo setzte ich den Hund an, in einer kleinen Praxisdarstellung auf einer Wiese gezeigt.
Dabei wurde auch das Finden des richtigen Anschusses, beim Beschießen eines Stückes aus der Rotte, wenn es nicht am Anschuss liegt, gezeigt. Dazu wurde von Herrn Borngräber extra eine Rotte Styroporsauen aufgebaut.

Bei der Ausbildung sollte Folgendes beachtet und berücksichtigt werden: die Technik, die Kondition, der Biss und zum Schluss noch die Familie, weil die richtige Schweißarbeit eine sehr zeitaufwendige Geschichte ist. Denn nur durch viel Üben lernt der Hundeführer seinen Hund kennen und kann ihn lesen (d.h. sein Verhalten genau erkennen), das ist enorm wichtig bei der Schweißarbeit. Dazu kommt noch die körperliche Fitness von dem Hundeführer und seinem Hund und die richtige Selbsteinschätzung von sich und seinem Hund. Die meisten Übungsfährten haben wenig bis gar nichts mit der Realität zu tun, hierzu kommen noch der Stressfaktor (Zeitmangel) und die Ungeduld der Hundeführer. So können schon einfache Fährten, das Gespann sowohl psychisch als auch physisch an ihre Grenzen bringen.
Der Gehorsam des Hundes ist das A und O. Das Bögeln, zum Beispiel, ist unerwünscht, da es die Arbeit des Gespannes in stark bewachsen Gelände erschwert. Die Fährtenarbeit teilt sich auf in: Riemenarbeit, Hetze und das Stellen. Laut Borngräber gilt ein Hund erst als Gebrauchshund wenn er mehrere km ohne Schweiß gearbeitet hat.

Das hervorragende, von Christina Scheffmann und ihren Helfern, organisierte Seminar ließ es an nichts fehlen. So war, neben dem sehr direkten, kauzigen, älteren aber immer noch sehr fitten Herrn Borngräber, an alles gedacht von Kaffee und Kuchen bis hin zum Grillen in der Mittagszeit. Rundum ein Komplettpaket.

Christina Scheffmann / Pietro Brede


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